Grindelwald for excellence > 9 Thesen zum Tourismus  > These 4

These 4

Bergbahn-Infrastruktur

Trotz der klimatischen Veränderungen darf man davon ausgehen, dass in den nächsten 30 Jahren (ungefähre Nutzungsdauer einer Bergbahn) der Wintertourismus weitergehen wird, so wie wir ihn heute kennen. Warme Winter werden wahrscheinlich vermehrt auftreten und die mittlere Schneegrenze wird leicht ansteigen (ca. 200 m) . Es macht Sinn, die laufende Modernisierung der Anlagen fortzufahren, wobei Anlagen unterhalb von 1600 m ü M mehrheitlich als Zubringer aus dem Tal dienen. Die demografische Veränderung sorgt für eine solvente, anspruchsvolle Kundengruppe einerseits und anderseits bei den Jungen für eine fortschreitende Abnahme. Migranten nutzen den Winter kaum für sportliche Aktivitäten wie Skifahren und das wirkt sich auch auf deren Kinder aus. Modernisierung bedeutet auch mehr Betriebssicherheit. 

Beurteilung These 4:
Demografische Prognosen sind im Gegensatz zu Klimaprognosen sehr zuverlässig. Deshalb gilt es, die bestehende Kundschaft im Winter mit adäquatem Leistungsangebot zu erhalten. Wenn die Fortschritte andauern, nimmt die Attraktivität der ausländischen Wintersportanbieter wieder ab. Hohe Treibstoffkosten werden entfernte Destinationen für Badeferien (Karibik, Malediven, Thailand) wieder massiv verteuern, wovon der klassische Wintertourismus in den Bergen profitieren wird. Warum investieren ägyptische und kuwaitische Konsortien gerade jetzt in der Schweizer Bergwelt Hunderte von Millionen in Tourismusinfrastrukturen?

Massnahme T4-1:
Die Modernisierung der Anlagen und der Bau von flächendeckenden Beschneiungsanlagen muss fortgesetzt werden. Mühsame Anlagen wie der Fallbodenlift sind zu ersetzen (kuppelbare Sessel, höhere Fahrgeschwindigkeit, leichteres Ein- und Aussteigen). Die Männlichenbahn darf in einem schneereichen Winter nicht länger als Nadelöhr den Ruf der Region in Misskredit bringen und muss raschmöglichst durch eine leistungsfähige 8-er-Gondelbahn mit niveaufreiem Ein- und Ausstieg ersetzt werden. Ab 2009 wird auch der 2-Sessellift Wixi-Lauberhorn zum Nadelöhr im neuen Skikarussell rund um die Kleine Scheidegg. Alte Anlagen sind pannenanfälliger. Ein Beispiel lieferte leider das Berner Oberland im Winter 2007/08. Anlagen sollten nach spätestens 25 Jahre ersetzt werden. 

Massnahme T4-2:
Dank der Beschneiungsanlagen wird sich der Pistenkomfort weiter verbessern und sich dem Niveau des Auslands annähern. Dabei darf nicht vergessen werden, mühsame kleine Steigungen gezielt zu eliminieren. Insbesondere Snowboarder, die bekanntlich keine Stöcke dabei haben, werden dafür dankbar sein. Handlungsbedarf besteht auf dem Männlichen, beim Arvengarten, bei der Mettlenabfahrt, auf dem First und Fallboden (siehe Skizze). Die Eingriffe wären minim, kostengünstig und deshalb sehr effizient.
Siehe auch These 9.

Massnahme T4-3:
An praktisch allen Winterwochenenden mit tollem Skiwetter zeigen sich die Engpässe auf Schreckfeld und Bort. Zwischen 10:00 und 13:30 Uhr muss man trotz der Kapazitätserweiterung zu oft lange anstehen um von Schreckfeld oder Bort wieder auf die First zu kommen. Mit dem Wegfall des Egglifts hat sich die Situation noch verschärft. Es fehlt ganz klar die Sesselbahn von Sandigen Boden auf die First. Besonders das Restaurant First leidet unter dieser Situation. Die ständigen Wirtewechsel auf der First haben mehrere Ursachen: Fehlende Sesselbahn SandigenBoden-First, zuwenig Komfort bei der Talstation (zum Teil ein Horror für Familien mit Kindern und für ältere Leute), viel mehr Pistenbeizli als früher und für einige abschreckend hohe Preise.


First-Piste "Bort-direkt": perfekte Bedingungen am prächtigen
Wintersonntag des 17.02.2008 um 11:30 Uhr.
Nicht ein einziger Carver ist auf einer der schönsten Pisten des
Firstgebiets zu sehen - paradox, nicht wahr?
Entweder kennen die Touristen die Piste  nicht oder sie wollen
keine übermässige Wartezeit bei der Station Bort riskieren.
So oder so: Hier fehlt klar die einst geplante Sesselbahn SandigenBoden-First. Als die Jungfraubahnen die Firstbahn übernahmen, wanderte das
Projekt in die Schublade, zu Gunsten anderer Vorhaben, leider!

Massnahmen T4-4 (Mega-Vision):
Die Chance, die beiden Gebiete First und Männlichen via Dorf zu verbinden, ist  bereits vor Jahrzehnten praktisch für ewig vertan worden. Anders sieht es aus, wenn man von Schwendi aus eine Gondelbahn aufs Faulhorn oder Faulhornsattel und eine Luftseilbahn von Schwendi Richtung Männlichen (Bergstation oberhalb Talstation Männlichen-Sesselbahn) bauen würde. In Schwendi könnte mit einem grossen Parkplatz, Servicezentrum und Bahnanschluss viel Verkehr zurückgehalten werden. Das Gebiet Faulhorn liegt zwischen 1800 und 2500 m ü M. und ist nach Süden ausgerichtet. Im Winter könnte mit einer Piste zur Station Bort eine Einwegverbindung ins Firstgebiet bereitgestellt werden. Vom Faulhornsattel hinunter Richtung Bachalpsee (Talstation oberhalb Bachalpsee) könnte die schneesichere Lage durch einen revolutionären Lift erschlossen werden. Bergstation inkl. Sesselbahnhof direkt in den Fels integriert. Masten und Talstation im Sommer versenkbar. Die Bahn wäre in den Sommermonaten unsichtbar. Die umgekehrte Verbindung von First zum Faulhorn ist wegen der wertvollen Landschaft und topografischen Gegebenheiten (extrem sonnenexponiert, rasche Ausaperung, Lawinen) kaum zu realisieren. Mit wenigen zusätzlichen Bahnen erhielte auch Grindelwald eine zusammenhängende Skischaukel und könnte damit in die Liga der internationalen Topdestinationen ohne Wenn und Aber aufsteigen. Gerade eine Faulhornbahn wäre auch im Sommer eine willkommene Angebotserweiterung, um einen zusätzlichen Ein-/Ausstieg zum Höhenweg First-Schynigeplatte zu bieten. Man denke an die älteren Gäste, denen der heutige Weg oft zu streng ist. Auf dem Faulhorn liesse sich ausserdem ein zeitgemässeres Hotel bauen und es wäre das höchstgelegene im Berner Oberland.

Ein Blick nach Meiringen zeigt, wohin die Entwicklung geht. Wahrscheinlich bis 2015 wird das Skiparadies zwischen Meiringen-Hasliberg, Engelberg-Titlis und Melchsee-Frutt realisiert sein und das Gebiet wintersportmässig zur Champions-League zählen. Das alles unter Führung einer einzigen Dachorganisation. Auch Arosa und die Lenzerheide werden nun das Projekt, beide Wintersportgebiete bahntechnisch zu verbinden, lancieren. Selbst das Leukerbad plant mit einer Bahn zum Hockenhorn den Anschluss zur Lauchernalp realisieren. In Oesterreich werden im Moment fast im Monatsrhythmus neue Bahnen eröffnet, welche Skigebiete verbinden, meistens vom Talboden aus. (Brixental, Schladming)

Massnahme T4-5:
Auf der Wengener Seite hat man vor kurzem endlich den alten Sessellift von Innerwengen (Ziel Lauberhornabfahrt) auf die Allmend durch eine moderne 4-er Sesselbahn ersetzt. Die Fortsetzung bis hinauf zur Lauberhornschulter wird aufgrund der Windexponiertheit wohl eine Illusion bleiben. Der Umweg über die Wengernalpbahn und die Lauberhorn-Sesselbahn entspricht trotzdem nicht den Vorstellungen des Gastes an ein modernes Topgebiet. 

Massnahme T4-6:
Auch im Mürrener Skigebiet gibt es eine mühsame Lücke im Bahnangebot. Es fehlt eine alternative Verbindung ins höher gelegene Schilthorngebiet. Hat man das Kanonenrohr durchfahren, bleibt heute einzig die Möglichkeit über die Luftseilbahn wieder in die obere Sektion zu gelangen. Meine Skizze zeigt eine Sesselbahn durchs Kanonenrohr. Als Nebeneffekt bestünde für unsichere Gäste oder bei schlechten Bedingungen die Möglichkeit, die heikle Stelle per Sesselbahn zu überwinden.


[2009: Ankündigung von 3 neuen Seilbahnprojekten]


Copyright by Manfred Braun, Grindelwald